Liste der Toten der NKWD-Lager
Die deutsche und europäische Nachkriegsgeschichte und die Geschichte der zweiten deutschen Diktatur gehören noch nicht ausschließlich in die Geschichtsbücher.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Sowjetischen Besatzungszone vom sowjetischen Geheimdienst NKWD mehrere „Speziallager“ eingerichtet und unzählige Menschen interniert. In diesen Lagern, teilweise ehemalige Konzentrationslager der Nazis, saßen zwar zu einem geringen Teil Kriegsverbrecher, überwiegend aber Personen und auch zahlreiche Jugendliche, die völlig willkürlich von der Straße weg festgenommen worden waren, ohne dass ihre Angehörigen davon wussten. Unter ihnen waren Deutsche, Russen, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Ungarn, Österreicher, Litauer, Esten und andere Nationalitäten.
Dunkelste Kapitel ostdeutscher Vergangenheit
Die aktive Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels ostdeutscher Vergangenheit – jedenfalls gemessen an der Todesnot und dem Schweigen dazu – begann erst im Jahr 1990.
Es war besonders dem Suchdienst der 1948 von Dr. Rainer Hildebrandt gegründeten „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) zu danken, dass die Todesnot in den sowjetischen Lagern im Westen bekannt wurde und Angehörige informiert werden konnten. Ende der fünfziger Jahre konnte die KgU etwa 900.000 Karteikarten an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) übergeben.
Erst 1992 hat das Deutsche Rote Kreuz aus Russland Listen mit 43.000 Todesopfern der sowjetischen NKWD-Lager in Deutschland 1945 bis 1950 erhalten. Im Rahmen dieser schon traditionellen Zusammenarbeit mit dem DRK macht das Mauermuseum-Haus am Checkpoint Charlie die Listen der ca. 43.000 Todesopfer der sowjetischen NKWD-Lager den Besuchern zugänglich, in der Hoffnung, dass noch einige der Toten durch Angehörig identifiziert werden können.


